Die 1980-Meilen-Reise
Was war das ein komisches Gefühl als ich Daniel und Micha am Flughafen abholte. Ich war aus 'meinem' Amerika rausgerissen und wurde ungewollt binnen Sekunden zu einem von vielen Touristen. So waren die ersten Tage der Reise sehr stark von dem Gefühl Abschied zu nehmen geprägt. Aber so sehr auch mein Herz an meiner kleinen neuen Welt hing, so sehr war ich auch mitgerissen von dem gemeinsamen Aufbruch mit richtigen Freunden. Rückblickend war es ein ziemlich genialer Urlaub. Um nach all den kleinen und grossen Highlights der 12 Tage wenigstens ein bisschen festzuhalten, wollte ich wenigstens die Reiseroute nachzeichnen:
1.Tag: April 13th, Thursday
Nachdem Daniels Flug Verspätung hatte und Micha eh später kam, hab ich fast den ganzen Tag am JFK verbracht. Als ich dann beide Männer um mich hatte wollten wir Manhattan (New York)* mit dem Auto unsicher machen. Bei fantastischem Sonnenschein war das einfach super. Anschliessend sind wir hoch Richtung New Haven (Connecticut), da wir bei Paul übernachteten. Abends sind wir mit Paul und Peter, seinem Bruder, dort gut einen trinken gewesen.
2.Tag: April 14th, Good Friday
Naja, von krilichem Karfreitag war nicht soo viel. Nach gemütlichem Aufstehen sind wir an der Küste Neuenglands entlang und haben am Hammonnessett Beach (Connecticut) und in Jamestown und New Port (Rhode Island) angehalten. Da die Zeit schon fortgeschritten war haben wir beim Stopp in Cape Cod (Massachussetts) nichts mehr gesehen und standen an einem dunklem Strand. Macht aber nichts, wir hatten trotzdem Freude an Nachtbildern machen. Geschlafen haben wir kurz vor Boston, wir fanden die Preise okay, mussten aber in den folgenden Tagen feststellen, dass es nicht viel teuerers gibt, als da oben irgendwo zu schlafen.
3.Tag: April 15th, Saturday
Boston (Massachussetts). Die Stadt haben wir zu Fuss erkundet und sind schliesslich noch im Science Museum gelandet, in dem es eine Star Wars Ausstellung gab. Das war natuerlich was für Micha und Daniel. Irgend eine Fremde drückte mir noch ein Freiticket in die Hand. Habe ich mich auch drüber gefreut.
Rückfahrt zu Paul. Aber mit gewichtigem Zwischenstopp bei Matt, einem Arbeitskollegen von mir. Er hatte uns zu Clams und Lobster (Muscheln und Hummer) zu sich nach Hause südlich von Springfield (ebf. Mass) eingeladen. Herrlich.
4.Tag: April 16th, Easter
Tja tja, komisches Gefühl so einen Tag nicht in der Familie zu verbringen. ...haben wir auch nicht gemacht. Paul hatte uns in seine halb italienische Familie ebf. in der Nähe von New Haven eingeladen. Das war einfach super! Paul, Daniel und ich sind morgens erst in die Kirche österlichen Segen abholen gefahren, haben dann uns mit Micha noch kurz Yale (edelste Eliteuniversität aus den Staaten) angeschaut und dann den ganzen Tag mit Essen, Quatschen, Essen, Trinken, Quatschen und nochmal Essen verbracht. Was eine Gastfreundschaft! Das ganze gipfelte in der Einladung von Pauls weiterem Bruder Marc und Frau ihm nach Philadelphia (Pennsylvania) zu folgen. Also düsten wir am Abend noch mit ihm runter.
5.Tag: April 17th, Eastermonday
Wer glaubt, dass das drüber ein Feiertag ist, der hat sich geschnitten. Da Marc aber wohl zur Zeit arbeitssuchend ist, hat er uns die Stadt gezeigt. Einen besseren Führer hätten wir auch gegen gute Bezahlung nicht haben können. Er ist geschichtsinteressiert und einfach gut bewandert was sämtliche Ecken der Stadt anbelangt, in der er wohnt. Respekt und Danke! Aber so langsam mussten wir auch mal zeigen, dass wir ohne Familie Izzo die Staaten kennenlernen konnten. Daher haben wir uns am Abend abgesetzt und sind nach Ocean City (südlich von Delaware, liegt bereits in Maryland) gedüst, um von da aus einen guten Ausgangspunkt für den nächsten Tag zu haben.
6.Tag: April 18th, Tuesday
Wir wussten alle nicht was uns erwartet - Ocean City ist ne richtige Touri-Absteige, wo sich an der Küstenstrasse ein Hochhaushotel ans andere reiht. So Urlaub zu machen ist eigentlich gar nicht mein Stil und hatte ich oben in New England auch noch nie gesehen. Aber da vor der Saison durchzufahren und sich vorzustellen, wie sich andere Leute da Tage später wohl die Füsse platttreten würden, war super interessant. An dem Morgen kauften wir das erste Frühstück bei Dunkin Donuts und verzehrten es am Strand. Micha gab erste Meldungen, dass er krank sei. Ich schenkte dem aber noch keine grosse Beachtung. Nach kleiner Stärkung bzw. Koffeinweckkur gings auf in einen hochgelobten Nationalpark auf der Assateague Island (Maryland), eine vorgelagerte Insel vor dem Festland mit wilden Ponys. Naja, der Megakracher war das ganze nicht. Zuerst sahen wir nur wilde Rehe im Gestrüpp, hatten keinen Geländewagen für das ultimative über die Insel krachen und es wehte ein empfindlicher Wind da draussen im Vergleich zu OC und die Jungs sind nichtmal mit mir ins Wasser. Aber nen Sonnenbrand konnte man sich schon holen. Anschliessend haben wir uns als anständige Amerikaner richtig mit Fastfood überfressen, bevor es über den Chesapeake Bay Bridge Tunnel (Virgina) Richtung Virgina Beach ging, nächste Nacht. Dieses Bauwerk als Zwischending zwischen Tunnel und Brücke war schon beeindruckend. Da ist für meinen Geschmack das schönste Foto des Urlaubs entstanden.
7.Tag: April 19th, WednesdayIn Virginia Beach hatten wir ein Hotelzimmer mit Meerblick. Ausserdem waren wir abends auch im hoteleigenem geheiztem Freibad und Whirlpool mit Unterwasserbeleuchtung und Blick zu den Sternen, was dann wohl bei uns Maulwürfen (Micha und ich) nur Daniel geniessen konnte. Morgens bin ich am Strand joggen gewesen. Ich habe mir so viel Farbe an den Beinen geholt, dass nach 2 Wochen immer noch die Streifen an den Beinen zu sehen sind. Nach der Heimkunft musste ich feststellen, dass Micha mitlerweile Fieber hatte. Menno! Unsere Fahrt an diesem Tag erinnerte mich mehr an einen Krankentransport. Er hat hinten quer mit Decke im Auto gelegen und einen Schwitzanfall nach dem andern durchstanden. Auf dem Weg nach Charlottesville (Virginia) unserer nächsten Nachtstätte haben wir in einem Monster Mega Outletstore den Nachmittag verbracht, eine gigantische Einkaufsarena, in der man jegliche Marke antreffen kann. Tagsüber gabs nen Wendys-Burger und abends haben wir in Charlottesville mit ner Flasche Wein und nochmal nettem Essen und guter Bedienung in meinen Geb reingefeiert.
8.Tag: April 20th, Thursday
Neuer Tag, neue Gesundheit. Micha ging es Gott sei Dank wieder besser. Nationalpark II (Shenandoah Park, Virginia) stand auf dem Plan. Als wir da waren realisierte ich erst, dass es sich lediglich um die Ausläufer der Blue Ridge Mountains handelte, so dass wir nur selten über wirklich blaues Gestein stolperten. Dort haben wir ne kleine Wanderung gemacht, bei der Micha nochmal krankheitsgeschwächt nen ordentlichen K.O.-Schub bekam. ...und am nächsten Tag Muskelkater. Naja, das ganze nahm dann doch so viel Zeit ein, dass wir die Tropfsteinhöhlen knickten und nach 3/4 der Strecke uns auf den Weg nach Fairfax (Virginia) gegaben. Einen Ort vor Washington (Destrict of Columbia), in der Hoffnung auf moderate Hotelpreise. Dort angekommen sind wir richtig proletig aus Kosten meines Pas anlässlich meines Geb Steak-Essen gewesen. Anschliessend sind wir nach Washington rein und haben uns die 'Mall' bei Nacht angeschaut, zentraler Parkbereich, um den alle wesentlichen Bauwerke herumgebaut worden sind. Es war ruhig, die angestrahlten Bauwerke imposant und beeindruckend. Der Eindruck ist nicht mit den touristenüberschwemmten, abgelaufenem und ungepflegten Grasflächen tagsüber vergleichbar.
9.Tag: April 21th, Friday
Endlich und dringend stand mal ein Tag allein für Daniel und mich an. Wir fuhren zu dritt zunächst in die Stadt, wo sich nach leckeren Boritos unsere Wege trennten. Micha fröhnte die Stadt und alle freien Museen in seinem eigenen Tempo erkunden zu können, Daniel und ich verschanzten uns dagegen in einem Starbucks-Café und führten längs überfällige Gespräche und füllten dabei unsere Bäuche mit Unmengen von Chai Tea Latte. Abends setzte sich Micha nochmal für amerikanisches Kino von uns ab und Daniel und ich genossen noch ein bisschen mehr Zweisamkeit. ...auch wenn Washington DC die Hauptstadt der Staaten ist, irgendwie ist sie an Daniel und mir ein bisschen vorbeigezogen.
10.Tag: April 22th, Saturday
Nach wie immer spätem Auschecken aus dem einzigen Hotel, in dem wir zwei Übernachtungen hatten (mal ausgenommen von Hotel Paul ;)), sind wir nochmal in die Stadt und Micha zeigte uns die Highlights der verpassten Museen, die tatsächlich alle ohne Eintritt sind. Anschliessend hiess es Konzentration auf Rückreise. Schliesslich war New Jork (NY) noch ganz schön weit weg. Wir sind an dem Tag gemütlich bis Allentown (Pennsylvania) getuckert und abends nochmal in irgendner Burgerschmiede mit Livemusik gelandet. Dany und ich bestellten nen großes Bier, Micha nen Cider (er wollte fahren!). Das grosse Bier entpuppte sich mehr als Mass und Micha bekam Minderwertigkeitskomplexe mit seinem 0,25l-Cider und bestellte ohne den ersten Schluck genommen zu haben direkt einen weiteren und ein ebenbürtiges Glas zu unseren. Schlussendlich musste Daniel nach Hause fahren. ...Spass hatten wir aber alle drei an dem Abend und die Pizzavarianten waren auch sehr leckerig!
11.Tag: April 23th, Sunday
Tjo, ich hatte irgendwo gelesen, dass Pennsylvania ein Weinanbaustaat sei und wir hatten prinzipiell noch nichts um uns bei Pauls Familie zu bedanken. Auf "Schaun wir mal, was sich finden lässt!" sind wir direkt bei der ersten Adresse bei einer richtigen Weinprobe zum Thema 'German Weekend' gelandet. Gut, dass wir alle noch nicht gefrühstückt hatten! Nach 8 Flaschen sind wir weiter Richtung Manhatten gefahren. Da wir im ganzen Urlaub noch keine Abstiege hatten (muss man doch eigentlich auch mal mitnehmen, nicht?), haben wir einfach das günstigste aus dem Tour Book angerufen und blind gebucht. Einfahrt nach Manhatten war gigantisch. Wir hatten wie auch die letzten Tage vorher unser Loch in der Wolkendecke über uns und es sah einfach nur imposant aus. Micha war glücklich sich das Großstadtfahren auch nochmal antun zu koennen und angekommen am Hotel bekam ich meinen Mund nicht mehr zu! Wir waren unmittelbar am Time Square und hatten einen Marmoreingang und alles Tip Top für 140Bucks für 3Personen. Wow!
Dann stand Autoübergabe an. Habe mich nochmal gefreut Pia, Thomas und Co. nochmal kruz wiederzusehen und war auch froh, endlich heile die Verantwortung für mein Auto abzugeben. Leider ist mit dem Auto dann auch das Loch in der Wolkendecke weggezogen. Empire State Building machte wegen aufziehendem Nebel überhaupt keinen Sinn. Schade! Abends sind wir nochmal in den Jazz-Bezirk von Manhatten gefahren und haben ein wenig den Urlaub vor unserm geistigen Auge Revue passieren lassen. Live-Musik ist doch was feines!
12.Tag: April 24th, Leaving Monday
Sachen packen, an der UNO vorbei uns runter bis indensüdlichsten Zipfel. Dann ab zum Flughafen. Warten, warten, warten. Abreise. Mit dem Kopf voll Eindrücken gings ab nach Hause, wo wir alle gut am nächsten Tag ankamen.
* Die Angaben in Klammern beziehen sich auf die Staaten, in denen sich die erwähnten Orte befinden.
